Wie am Namen unschwer zu erkennen, weiche ich mittlerweile von meiner ursprünglichen Leidenschaft für Metal ein wenig ab. Ich werde hier zwar immer noch viele Metal-Releases vorstellen, aber der Fokus wird in erster Linie auf Post-Rock liegen. Enjoy!
Auch wenn sich Katatonia von den Wurzeln des Doom Metals schon sehr weit
abgewandt haben, schaffen sie es doch mit jedem Album aufs Neue, noch
düsterer, noch melancholischer, noch atmosphärischer zu werden, weswegen
das aktuelle Album "Dead End Kings" auch mein Favorit in ihrer
Diskographie ist. Katatonia haben mit diesem Langspieler mal wieder
einen perfekten Mix gefunden, der weder harte Gitarren noch das
behutsame Einsetzen von Keyboard und Programming scheut und den Hörer
durch eine ganz eigene Welt schickt, eine Welt die einen nach und nach
immer mehr in ihren Bann zieht und nur noch schwer wieder freigibt.
(Anmerkung: Wieder von meinem Doom Metal Special kopiert, weil ich heute beim besten Willen nicht in der Lage bin, sinnvolle Sätze zu bilden)
Heute ist es so weit, laut Maya-Kalender geht die Welt unter. Und wenn sie's doch nicht tun sollte, haben wir immer noch die Wintersonnwende, und die Tage werden endlich wieder länger. Dennoch steht uns noch ein langer Winter bevor, und ORDEN OGAN liefern mit "To The End" den perfekten Soundtrack für eben diesen. Gut, man muss auch zugeben, dass das Cover und auch die Texte tatsächlich sehr winterlich gehalten sind, und bei Songs wie "Land Of The Dead" fühlt man sich dann wirklich ein wenig in eine Eiswüste versetzt, in der ein Blizzard nach dem anderen wütet. ORDEN OGAN beweisen mit diesem Album aufs Neue, warum sie für mich momentan die beste, aktive Power Metal Band sind, auch wenn die Einflüsse von Bands wie BLIND GUARDIAN natürlich nicht zu leugnen sind. Aber man erkennt trotzdem von der ersten Sekunde an, dass man es hier mit ORDEN OGAN zu tun hat, und das ganze Album ist einfach so typisch für diese Band, dass man es schon fast als vorhersehbar abstempeln könnte. Der einzige, gravierende Unterschied zum Vorgänger "Easton Hope": Die Anzahl der Chöre wurde deutlich erhöht, so haben viele Songs schon fast hymnenartige Refrains, bei denen man sich schon fast gezwungen fühlt, mitzusingen. Und was auf dem Album schon wieder an Abwechslung herrscht, ist auch eben genau das, was ich mir von ORDEN OGAN erwarte. Egal ob klassische Midtempo-Songs, Uptempo-Songs wie "Till The Stars Cry Out" oder die obligatorische Ballade "The Ice Kings", hier wird jeder Power Metal Fan bedient und Seebs Stimme ist auch besser denn je. So ist "To The End" nochmal ein Schritt nach vorne und ORDEN OGAN haben damit endgültig den Power Metal Thron für sich ergriffen und ein Zeichen gesetzt, dass sie diesen so schnell nicht aufgeben werden.
Ich bin zugegebenermaßen immer noch sehr verwundert über mich selbst, dass ich THRESHOLD erst dieses Jahr kennen gelernt habe. Ich erinnere mich noch daran, kurz vorm Aufbruch auf das Summer Breeze Festival das Lied "Narcissus" aus dem überragenden "Hypothetical" gehört zu haben, diesen Song dann das ganze Festival als Ohrwurm gehabt zu haben (von der Cantina Band einmal abgesehen, einige unserer Nachbarn haben gefühlt das ganze Wochenende nix anderes gehört), und nach dem Heimkommen hatte ich dadurch natürlich sofort das Verlangen, mich mit dieser Band mehr zu beschäftigen. Und da hat sich das neueste Album "March Of Progress" sofort angeboten. Nach dem Ausstieg von Andrew "Mac" McDermott, der 2011 zudem verstorben ist, greift diesmal wieder Damian Wilson zum Mikro, und wer befürchtet hat, dass THRESHOLD ohne Mac nicht funktionieren kann, hört entweder in die ersten Alben rein oder besorgt sich "March Of Progress", denn was dieser Mann hier am Mikro teilweise abliefert ist schon fast nicht mehr feierlich. Vergleiche zu Mac zu ziehen spare ich mir allerdings, schlussendlich bleibt's sowieso Geschmackssache, welchen Sänger man für "besser" hält. Doch genug der Ausflüge in die Vergangenheit, werfen wir lieber mal ein Auge auf das Album. Progressive Metal ist ja auch wieder so ein interessantes Genre, einerseits liebe ich diese minutenlangen Gitarrenfrickeleien, andererseits übertreiben es viele Bands dann wiederum mit den Egotrips der Instrumentalisten und werden von mir ganz schnell als langweilig abgestempelt, auch wenn es genau diese Soloausbrüche sind, die viele am Progressive Metal lieben. Vermutlich gefällt mir "March Of Progress" eben genau deswegen so gut, weil die Band nicht jede zweite Minute ihr Können unter Beweis stellen muss, stattdessen punktet man mit den vermutlich besten Refrains des ganzen Genres und enormer Abwechslung. Während der Opener "Ashes" fast noch vermuten lassen könnte, dass man es hier mit Power Metal zu tun hat, wirkt schon "Return Of The Thought Police" deutlich progressiver und düsterer, und mit "The Rubicon" findet sich zum Abschluss noch ein über 10-minütiger Rausschmeißer, der auch den letzten Zweifler zufrieden stellen sollte. Kein einziger Filler, abwechslungsreich, progressiv und dennoch durchgehend immer so eingängig, dass viele viele Momente schon nach dem ersten Durchhören hängen bleiben und sofort nochmal gehört werden wollen. Und für die extremen Pessimisten: Keine Sorge, das Album nützt sich alles andere als schnell ab, ganz im Gegenteil, selbst nach vier Monaten merke ich immer noch, wie das Album mit jedem Durchlauf stärker und stärker wird. Absoluter Pflichtkauf für Prog Fans, vermutlich eines der besten Alben des Genres von einer der besten Bands des Genres.
Und ein weiterer Post-Rock Release, der is in meine Top 24 geschafft hat, man merkt halt doch, wie sehr ich mich für dieses Genre mittlerweile begeistern kann. Und zwischen all dem ruhigen, ambientem Post-Rock gibt es auch die ein oder andere Band, die den Härtegrad auch mal ein wenig höher schraubt. IF THESE TREES COULD TALK haben mit "Red Forest" wohl ein Paradebeispiel dafür abgeliefert, dass auch härterer Post-Rock richtig atmosphärisch sein kann. Ok, wenn man das Album einlegt, klingt alles mal nach ganz generischem Post-Rock, wie ihn hunderttausend andere Bands auch fabrizieren, beim ersten Mal Hören war ich von "Red Forest" auch nicht gerade begeistert, aber nach und nach kristallisieren sich nicht nur Details heraus, auch das Album an sich wird plötzlich immer stimmiger. Und zwischendurch gibt es dann auch immer wieder Songs, die zwar komplett untypisch, und dennoch komplett passend wirken, so wie "They Speak With Knives", das überhaupt schon so einzigartig klingt, das mir jetzt nicht mal eine passende Band als Vergleich einfallen würde. Von vielen somit vollkommen zurecht als Post-Rock Release des Jahres auserkoren, beweisen IF THESE TREES COULD TALK mit "Red Forest" tatsächlich, dass auch aktuelle Releases immer noch mit den Klassikern des Genres mithalten können.
6. MONO - For My Parents
Was für viele vermutlich eine der Enttäuschungen des Jahres gewesen sein dürfte, steht in meiner Gunst diesmal ganz oben. MONO legen mit "For My Parents" nach, und jeder, der erwartet hat, dass MONO diesmal einen kleinen Schritt von ihrem Erfolgskonzept abweichen, wird bitter enttäuscht gewesen sein. Dabei ist es genau dieser stilistische Stillstand, der MONO für mich aus macht.Geht man mit den Erwartungen, stilistisch nochmal genau so ein Album wie "Hymn To The Immortal Wind" oder "You Are There" zu hören, hat man eigentlich schon gewonnen. Klar, von den Höhepunkten her kann es sich mit den beiden Vorgängern natürlich nicht messen, aber atmosphärisch und instrumental klingt dieses Album durch und durch nach MONO, und auch wenn man das eine oder andere Déjà-Vu hat, weil einige Parts vielleicht ähnlich klingen wie frühere Songs, heißt das noch lange nicht, dass das Album deswegen nur eine Kopie ihrer selbst ist. Ganz im Gegenteil, instrumental zwar zu etwa 100% das, was man von MONO erwartet hätte, stimmlich aber plötzlich gar nicht mehr so düster wie der Vorgänger, sondern ganz im Gegenteil, richtig fröhlich und glücklich an vielen Stellen. Das dürfte aber auch schon die einzige Überraschung an dem Album sein, wer dachte, dass MONO plötzlich auf das Orchester verzichten oder Gesang einbauen, hat natürlich weit gefehlt. "For My Parents" baut einerseits auf fast ausufernde Orchestralkompositionen, andererseits auf die typischen MONO-Gitarrenklänge auf, eben genau wie man es erwartet hätte. Somit erfüllen MONO alle meine Erwartungen, und diejenigen, die tatsächlich erwartet hätten, dass MONO an ihrem Sound etwas ändern, sind dann wohl selbst schuld, wenn sie von "For My Parents" eher enttäuscht wurden. Und alleine für das Video zu "Legend" muss man MONO eigentlich schon lieben.
Es gibt Momente, in denen man sehr dankbar darüber ist, Freunde zu haben, die einen ähnlichen Musikgeschmack haben und diesen auch gerne teilen. Als ich mir ECHOTIDE, eine weitere Empfehlung aus eben jenem Freundeskreis, das erste Mal zu Gemüte führte, empfand ich das ganze zwar als gut, aber nichts, was mich vom Hocker reißen würde. Doch nach mehreren Durchläufen endete "as our floodlights gave way to dawn" plötzlich in einer Dauerschleife, weil ich mich komplett in dem Album verloren hatte. Es macht richtig süchtig, und treffenderweise beginnt das Vergnügen auch mit dem Song "Of Addictions", der mit seinen knapp 10 Minuten sogar noch zu den kürzeren der Platte gehört. Und schon hier wird klar, was dieses Album ausmacht. Einerseits harter, aber nicht gitarrengetriebener Post-Rock, andererseits wieder so ambient und atmosphärisch, dabei aber auch nie wirklich langatmig und auch nicht aufdringlich. Und im Gegensatz zu vielen anderen meiner Lieblingsbands und -alben aus dem Genre kommt hier auch öfter mal eine positive, ja richtig glückliche Stimmung auf, wie in "Mare Cognitum (Of Memory)". Für das Erstlingswerk der Band ein absolutes Spitzenalbum, das jeder Fan von atmosphärischem, ambientangehauchtem Post-Rock mal gehört haben sollte.
Ich halte mich hier textlich mal sehr zurück. Ich kenne ENSLAVED nämlich erst seit diesem Album, "RIITIIR" beziehungsweise hab mich davor nie mit dieser Band beschäftigt, deswegen kann ich absolut keine Vergleiche zu den vielen früheren Werken ziehen. Ist aber auch nicht unbedingt nötig, für mich ist "RIITIIR" noch eines der vielen Alben, mit denen ich dieses Jahr einfach gar nicht gerechnet hab. Da hat man im Herbst mal kurz Lust auf etwas düsteres, hört mal kurz rein und sofort war mir auch schon klar, dass das Album Top 10 Material ist. Warum kann ich nicht mal wirklich beschreiben, einerseits spielt hier wohl der Kontrast aus Härte und ruhigeren Passagen mit, und die cleanen Vocals finde ich in diesem Falle sogar nochmal weitaus stärker als die gutturalen. Ob dieses Album an Vorgänger anschließen kann, weiß ich nicht, mich hat das Album auf jeden Fall mehr als überzeugt und mir auf jeden Fall Lust darauf gemacht, auch mal die ganze Diskographie durchzuhören.
Zuerst einmal ein Sorry für die Verspätung, weil ich eigentlich sowieso nix gelernt hab in der Zeit und dann doch lieber gezockt habe, hätte ich eigentlich auch meine Blogeinträge schreiben können. Dafür gibt's heute ein Triple-Pack und es geht auch schon in die Top 10, wo jedes einzelne Album eigentlich den Titel "Album des Jahres" verdient hätte, und ab heute gibt's auch wieder täglich ein Album, vielleicht nicht pünktlich zu Mitternacht, aber zumindest am jeweiligen Tag ;)
12. GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR - 'Alleluja! Don't Bend! Ascend!
Eigentlich reicht ein einziges Zitat, um dieses Album zu beschreiben: "At a
time where post-rock is more a joke than a reputable genre, Godspeed
You! Black Emperor return from Valhalla to show the world how it's done." (Quelle: Eli Kleman von sputnikmusic.com)
Und ja, Post-Rock ist mittlerweile leider wirklich schon an seinen Grenzen angelangt, es gibt kaum Innovationen und immer wieder dieselben Songstrukturen, zu einem gewissen Grade ist dieses Genre somit wirklich ein "Joke". Aber dann kommt wie aus dem Nichts ohne Vorankündigung "'Alleluja! Don't Bend! Ascend!", ein neues Album der Post-Rock Legenden GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und zeigt, dass das Genre eben doch kein Witz ist. Zugegebenermaßen, ich brauchte sehr viele Durchläufe, um dieses Album zu verstehen, generell sind GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR für mich immer noch eine der schwierigsten Post-Rock Bands, wenn nicht die schwierigste, überhaupt. Selbst nach zehn Durchläufen blieb kaum etwas hängen und ich hatte eigentlich schon gar nicht mehr die Geduld dafür, dieses Album nochmal durchzuhören. Eines Abends hatte ich aber doch Lust drauf und plötzlich verstand ich dieses Album auch. Mit "Mladic" und "We Drift Like Worried Fire" gibt es zwei lange, ausufernde, typische GY!BE Songs, die beide mit individuellen Höhepunkten und einzigartigem Songaufbau zwar schwer zu erfassen, aber dafür umso mehr zu genießen sind, wenn das Album mal gezündet hat. Dazwischen und als Abschluss gibt es mit "Their Helicopters' Sing" und "Strung Like Lights At The Printemps Erable" zwei eher untypische Drone-Tracks, die sich aber sehr gut ins Gesamtbild des Albums einfügen. Mit "'Alleluja! Don't Bend! Ascend!" veröffentlichen GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR somit für mich einen weiteren Post-Rock Meilenstein, der sich sehr gut in ihre bisherige Diskographie einfügt. Obwohl dieses Album wohl für viele Post-Rock Liebhaber das Album des Jahres ist, [SPOILER ALERT!] so muss ich doch sagen, dass es mich zwar auch sehr begeistert, aber es aus dem Genre doch einiges für mich besseres in diesem Jahr gibt.
11. TACOMA NARROWS BRIDGE DISASTER - Exegesis
Erst vor wenigen Wochen bin ich durch Zufall auf dieses Album gestoßen, und es war zugegebenermaßen das Cover-Artwork, das mich dann dazu gebracht hat, in "Exegesis" von TACOMA NARROWS BRIDGE DISASTER reinzuhören. Und ich staunte nicht schlecht, und das schon beim ersten Durchlauf. Hier treffen die besten Elemente aus Progressive und Post Metal aufeinander und reagieren zu einer einzigartiger Substanz, die eigentlich gar nicht mal so schwer zu analysieren ist. Irgendwo zwischen ISIS und TOOL kann man "Exegesis" wohl einordnen. Wie zu erwarten in diesem Genre haben natürlich die Instrumentalpassagen, die sowohl ruhige, düstere als auch härtere, fast schwermütige Ausmaße annehmen, die klare Oberhand, aber auch die Gesangsparts wissen mehr als zu begeistern, wer das Album öfter gehört hat, wird garantiert die Textpassage "...and the walls will come down" in sehr guter Erinnerung haben, vermutlich sogar generell einer der besten Parts des ganzen Albums, ein Part der fast pure Verzweiflung spricht. "Exegesis" ist wahrscheinlich das Album, das mich dieses Jahr am meisten überrascht hat, da es einfach aus dem Nichts von einer total unbekannten Band kommt und mich dann auch noch so dermaßen überzeugt, das es fast in meine Top 10 kommt, mehr als nur hörenswert!
10. AHAB - The Giant
Wer AHAB immer nur für ihr erstes Album, "Call Of The Wretched Sea", das
wirklich ein Aushängeschild für den Funeral Doom Metal ist, wirklich
mag und den Weg, der auf "The Divinity Of Oceans" eingeschlagen wurde,
nicht ganz so akzeptieren kann: bitte hier aufhören zu lesen! Denn auf
"The Giant" gehen Ahab noch weiter, speziell was cleane Vocals
angeht ist die Verbesserung zu den ersten beiden Alben deutlich hörbar
und die cleanen Passagen von Songs wie "Antarctica The Polymorphess"
hinterlassen unweigerlich ihre Abdrücke im Ohr. Die tonnenschweren
Riffs, die man noch von "Call Of The Wretched Sea" kannte, die einen wie
meterhohe Wellen aufs offene Meer hinaustragen und den Hörer in dessen
Tiefe ziehen, wurden auf "The Giant" doch deutlich zurückgefahren, dafür
wissen die Gitarren mit hypnotisierenden Melodien den Hörer trotzdem
fast dauerhaft in ihren Bann zu ziehen und die gute Stunde Laufzeit des
Albums vergeht im Fluge. Und bei den ersten Klängen von "Further South"
fühlt man sich ohnehin gezwungen, das ganze Album nochmal zu hören. Es
zündet vielleicht nicht beim ersten Mal, und auch nicht beim zweiten
Mal, aber nach ein paar Durchläufen stellt AHABs "The Giant" wirklich
ein großartiges Doom Metal Album dar, in dem man sich sehr schnell
verlieren kann und dies eigentlich auch will.
(Hab ich jetzt einfach mal knallhart von meinem Doom Metal Special kopiert :P)